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Johannes Lacher


Johannes Lacher ist dem Wesen der Malerei an sich auf der Spur. Seine abstrakt-geometrischen Werke in der Tradition Piet Mondrians sind keine Abbilder, sind kein nachahmendes Fenster zur natürlichen Erfahrungswelt. Vielmehr entstehen im Laboratorium des Künstlers Bilder im reinsten Sinne des Wortes: Form, Farbe und Material als kleinste Einheiten der Malerei sprechen für sich, verweisen auf sich selbst. Dem nach Deutung und Gegenständlichkeit suchenden Blick verschließt sich das Werk, Offenheit und Transparenz ergeben sich nur einem absichtslosen Sehen. Lacher fordert diese von Inhalten befreite Wahrnehmung bewußt heraus: das Quadrat als Bildformat ist absolut neutral, es gibt weder der Höhe noch der Breite den Vorzug. Neutralität und Ruhe strahlt auch der waagrechte Farbverlauf aus, der sich von Bildkante zu Bildkante erstreckt. Die stets dominierende Vertikale dient als Orientierungshilfe im ansonsten unhierarchischen Bildraum. Erst im jüngeren Werk durchbrechen quadratische Elemente diese Bildkomposition, so daß sich ein spannungsgeladenes cartesianisches Koordinatensystem bildet. Ganz im Sinne der radikalen Malerei bleibt als einziger Inhalt das Bild selbst. Diese Selbstbezüglichkeit entsteht durch die Wiederaufnahme des Formats als quadratisches Bildelement ebenso wie durch die Offenlegung des Malprozesses: die breiten Pinselstriche verraten durch ihre unterschiedliche Dichte und Durchlässigkeit den Malakt, in dem der Pinsel mal mit hartem, mal mit weichem Druck aufgetragen wurde. In seinen jüngeren Arbeiten widmet sich Lacher zunehmend dem Thema der Transparenz. Um den schnelltrocknenden Acrylfarben mehr Raumtiefe abzugewinnen, werden die einzelnen Schichten so dünn auf das Holz aufgetragen, daß die darunter liegenden Schichten noch durchschimmern. Ein horizontaler Farbstreifen, der meist am oberen Bildrand verläuft, bleibt als Markierung der ursprünglichen Farbschicht unübermalt. Durch Abkleben oder Abschleifen von Farbschichten wird so ein fast archäologischer Nachvollzug des Entstehungsprozesses möglich.

  • 1940 geboren in Marburg
  • 1964-68 Akademie der Bildenden Künste, München
  • 1968-70 University of Georgia, Athens, GA, USA (Master of Fine Arts)
  • 1970-90 Aufenthalt in den USA als Hochschullehrer und freischaffender Künstler
  • 1985 Lehrauftrag an der FH und am Institut für Kommunikationsdesign, Konstanz
  • lebt und arbeitet seit 1991 in Konstanz
    Ausstellungen
  • 1975 Hill‘s Gallery, Santa Fe, New Mexico
  • 1981 Ron Salgado Contemporary Fine Arts, Los Angeles, CA
  • 1985 Calkins Gallery, Hofstra University, Hempstead, New York
  • 1994 Galerie Grashey, Konstanz
    Literatur
  • Peter Plagens: „Johannes Lacher, Recent Paintings", Katalog-Text, Calkins Gallery, Hofstra University, 1985>
  • Andrea Hofmann: „Johannes Lacher: Reine Malerei", in: Bodensee-Hefte, Nr. 9, September 1994, S. 33-34>